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Eigenmittel & Tragbarkeit

Haus bauen mit wenig Eigenkapital: was in der Schweiz wirklich geht

«Ganz ohne Eigenkapital» funktioniert in der Schweiz nicht. Banken verlangen mindestens 20 Prozent Eigenmittel und prüfen die Tragbarkeit mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5 Prozent. Wir zeigen ehrlich, wie viel Eigenkapital nötig ist, welche Rolle Säule 3a und Pensionskasse spielen und wie Sie Ihre Ausgangslage verbessern.

So setzt sich die Finanzierung in der Schweiz zusammen

Eine Schweizer Hypothek folgt einer klaren Aufteilung: Rund 20 Prozent des Verkehrswerts bringen Sie als Eigenmittel ein, die restlichen bis zu 80 Prozent finanziert die Bank. Die folgende Übersicht zeigt, woraus sich die Eigenmittel zusammensetzen und weshalb eine echte Vollfinanzierung hierzulande nicht vorgesehen ist. Die Angaben sind Richtwerte; verbindlich rechnet Ihre Bank oder Versicherung.

AnteilHerkunftRegelEinschätzung
10 % harte EigenmittelErspartes, Säule 3a, Wertschriftenzwingend erforderlichnicht ersetzbar
10 % weitere EigenmittelPensionskasse (WEF) oder weiteres SparkapitalPensionskasse erlaubtflexibel wählbar
20 % Eigenmittel gesamtMindestquote am VerkehrswertStandard bei Bankenempfohlener Ausgangspunkt
80 % Hypothek1. und 2. Hypothek der BankBelehnung bis 80 %Amortisation der 2. Hypothek nötig
über 80 % Belehnungin der Regel nicht möglichkeine Vollfinanzierungin der Schweiz unüblich

Richtwerte ohne Gewähr. Die Belehnung setzt die Hypothek ins Verhältnis zum Verkehrswert; die verbindlichen Konditionen und Belehnungsgrenzen nennt Ihr Finanzierungspartner.

Die 20-Prozent-Regel: warum es ganz ohne Eigenkapital nicht geht

In der Schweiz gilt eine feste Grösse: Wer Wohneigentum finanzieren will, bringt mindestens 20 Prozent des Verkehrswerts als Eigenmittel ein. Entscheidend ist, dass wenigstens die Hälfte davon – also 10 Prozent des Kaufpreises – aus «harten» Eigenmitteln stammt. Dazu zählen Erspartes, Wertschriften oder Guthaben aus der Säule 3a. Die zweiten 10 Prozent dürfen Sie aus der Pensionskasse beisteuern, aus dieser Quelle allein lässt sich das Minimum jedoch nicht decken. Eine echte Finanzierung ohne Eigenkapital, wie sie im Ausland teils als Vollfinanzierung angeboten wird, existiert in der Schweiz nicht.

Neben den Eigenmitteln zählt die Tragbarkeit. Die Bank prüft nicht mit dem aktuellen Marktzins, sondern rechnet mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5 Prozent, dazu etwa 1 Prozent des Immobilienwerts für Unterhalt und Nebenkosten sowie die Amortisation der zweiten Hypothek. Diese kalkulatorischen Kosten sollen höchstens einen Drittel Ihres Bruttoeinkommens ausmachen. Ist die Tragbarkeit nicht gegeben, lehnt die Bank ab – auch wenn Sie die tatsächliche Rate problemlos zahlen könnten. Rechnen Sie Ihr Vorhaben vorab durch: Der Finanzierungsrechner zeigt, wie sich Eigenmittel und Zins auf Ihre Belastung auswirken, und unter Hypothekarzinsen aktuell sehen Sie das aktuelle Zinsumfeld.

Säule 3a und Pensionskasse als Eigenmittel nutzen

Fehlt Ihnen Bargeld, lässt sich das Eigenkapital oft über die Vorsorge aufbauen oder ergänzen. Die gebundene Vorsorge der Säule 3a gilt als harte Eigenmittel und lässt sich vollständig einsetzen. Aus der zweiten Säule können Sie über die Wohneigentumsförderung (WEF) Kapital vorbeziehen oder verpfänden – jedoch nur für selbst bewohntes Wohneigentum. Ein Vorbezug schmälert Ihr Altersguthaben und wird gesondert besteuert; eine Verpfändung lässt das Guthaben bestehen, verlangt aber eine höhere Belehnung. Wägen Sie beide Wege sorgfältig ab. Mehr zum Aufbau von Eigenmitteln lesen Sie im Ratgeber Eigenleistung beim Hausbau.

Die Risiken ehrlich abwägen

Wer nur das Minimum an Eigenmitteln aufbringt, hat wenig Spielraum. Bei der Erneuerung der Hypothek können höhere Zinsen die Belastung rasch vergrössern – und die Tragbarkeit gerät ins Wanken. Ziehen Sie Pensionskassenkapital vor, entsteht eine Vorsorgelücke: Ihre spätere Rente sinkt, und im Todes- oder Invaliditätsfall fehlt Kapital. Fachleute empfehlen, diese Lücke etwa mit einer Risikoversicherung abzusichern. Je grösser der Anteil echter Eigenmittel, desto stabiler steht Ihre Finanzierung – und desto entspannter überstehen Sie Zinssprünge.

Ein sinnvoller Hebel bleibt der energetische Standard: Erreicht Ihr Haus ein Minergie-Label, winken kantonale Förderbeiträge und mancherorts günstigere Hypothekenkonditionen. Welche Beiträge in Ihrem Kanton möglich sind, zeigt Das Gebäudeprogramm. Weil der beste Zins wenig bringt, wenn der Hauspreis zu hoch ist, lohnt der Vergleich mehrerer Fertighaus-Anbieter mit verbindlichem Festpreis. Wie sich die Hypothekarzinsen entwickeln, lässt sich anhand der Daten der Schweizerischen Nationalbank verfolgen, und neutrale Hinweise rund um Wohneigentum liefert der Hauseigentümerverband Schweiz.

So stärken Sie Ihre Ausgangslage

  • Stabiles, gut dokumentiertes Einkommen für die Tragbarkeit nachweisen
  • Mindestens 10 Prozent harte Eigenmittel aus Erspartem oder Säule 3a einbringen
  • Säule 3a gezielt zum Aufbau von Eigenkapital nutzen
  • Pensionskasse (WEF) bewusst als Vorbezug oder Verpfändung einsetzen
  • Minergie-Standard für kantonale Förderung anstreben
  • Mehrere Hypothekaranbieter vergleichen

Diese Risiken gehören auf den Tisch

  • Kaum Reserven bei sehr knappen Eigenmitteln
  • Höhere Belastung bei steigenden Zinsen zur Ablösung der Hypothek
  • Vorsorgelücke durch Vorbezug aus der Pensionskasse
  • Tragbarkeit kann trotz bezahlbarer Rate scheitern
  • Separate Besteuerung des Pensionskassen-Vorbezugs

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Häufige Fragen zu Eigenmitteln und Tragbarkeit

Antworten zur 20-Prozent-Regel, zur Tragbarkeitsrechnung, zu Säule 3a und zum Pensionskassen-Vorbezug in der Schweiz.

Kann ich in der Schweiz ein Haus ganz ohne Eigenmittel finanzieren?
In der Praxis nein. Schweizer Banken verlangen mindestens 20 Prozent Eigenmittel am Verkehrswert der Immobilie. Davon müssen wenigstens 10 Prozent aus «harten» Eigenmitteln stammen – also Erspartem, Wertschriften oder Guthaben aus der Säule 3a; die zweiten 10 Prozent dürfen aus der Pensionskasse kommen. Eine echte Vollfinanzierung ohne jegliches Eigenkapital gibt es hierzulande nicht.
Was zählt in der Schweiz als Eigenmittel?
Als Eigenmittel gelten Bankguthaben, Wertschriften, Guthaben der gebundenen Vorsorge (Säule 3a), ein allfälliger Erbvorbezug oder eine Schenkung sowie – für maximal die Hälfte der geforderten 20 Prozent – Vorsorgekapital aus der zweiten Säule. Für die zweite Säule stehen zwei Wege offen: der Vorbezug (WEF) oder die Verpfändung Ihres Pensionskassenguthabens.
Wie funktioniert die Tragbarkeitsrechnung?
Die Bank prüft, ob Sie die Liegenschaft langfristig tragen können. Dabei rechnet sie nicht mit dem tiefen Marktzins, sondern mit einem kalkulatorischen Zins von rund 5 Prozent. Hinzu kommen etwa 1 Prozent des Immobilienwerts für Unterhalt und Nebenkosten sowie die Amortisation. Die Summe dieser Kosten sollte einen Drittel Ihres Bruttoeinkommens nicht übersteigen – sonst gilt das Objekt als nicht tragbar, selbst wenn die effektive Rate bezahlbar wäre.
Darf ich Pensionskassengeld für den Hauskauf einsetzen?
Ja, über die Wohneigentumsförderung (WEF) können Sie Kapital aus der zweiten Säule vorbeziehen oder verpfänden – allerdings nur für selbst bewohntes Wohneigentum. Ein Vorbezug senkt Ihr Altersguthaben und damit die spätere Rente; zudem wird er separat besteuert. Prüfen Sie deshalb genau, ob Verpfändung oder Vorbezug für Ihre Situation günstiger ist, und lassen Sie sich beraten.
Welche Risiken bestehen bei sehr knappen Eigenmitteln?
Wer nur das Minimum von 20 Prozent aufbringt, hat kaum Reserven für Unvorhergesehenes. Steigen die Zinsen bei der Erneuerung der Hypothek, wird die Belastung rasch grösser. Beim Vorbezug aus der Pensionskasse fehlt später Vorsorgekapital, und Sie sollten die entstehende Vorsorgelücke etwa mit einer Risikoversicherung schliessen. Je mehr echte Eigenmittel Sie einbringen, desto stabiler steht Ihre Finanzierung.
Wie verbessere ich meine Ausgangslage für die Hypothek?
Bauen Sie über die Säule 3a gezielt Eigenmittel auf, halten Sie Ihr Budget schlank und sorgen Sie für ein stabiles, gut dokumentiertes Einkommen. Eine solide Tragbarkeit ist wichtiger als der tiefste Zins. Vergleichen Sie mehrere Anbieter – Banken, Versicherungen und Pensionskassen – denn Konditionen und Belehnungsgrenzen unterscheiden sich deutlich.
Ist ein Fertighaus mit Festpreis bei knappem Budget im Vorteil?
Häufig ja. Der verbindliche Festpreis eines Fertighauses gibt der Bank Planungssicherheit über Bausumme und Bauzeit und senkt das Risiko teurer Nachfinanzierungen. Erreicht das Haus einen Minergie-Standard, kommen zudem kantonale Förderbeiträge und teils günstigere Hypothekenkonditionen infrage. Über Ausbaustufen lässt sich das Vorhaben zusätzlich an Ihr Budget anpassen.
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